24 Stunden kostenlos anrufen: +49 (0) 800 20 70 20 20

24-Stunden-Pflege bei Ihnen Zuhause

Wer betreut unsere Eltern morgen?

Wer betreut unsere Eltern morgen?

Warum die häusliche Betreuung vor einem Umbruch steht

Immer mehr Menschen möchten auch im Alter in den eigenen vier Wänden leben. Gleichzeitig wird es zunehmend schwieriger, geeignete Betreuungskräfte für deutsche Familien zu gewinnen. Ein aktuelles Interview im DER SPIEGEL greift genau diese Entwicklung auf. Für uns bei VITA Fonfara ist es Anlass, über eine Frage zu sprechen, die unsere Branche in den kommenden Jahren entscheidend beschäftigen wird: Wie kann häusliche Betreuung auch in Zukunft fair, bezahlbar und verlässlich funktionieren?

Ein SPIEGEL-Interview, das einen Nerv trifft

Ende Juli veröffentlichte DER SPIEGEL ein Interview mit der Pflegevermittlerin Alesja Ehlers, die seit 16 Jahren Betreuungs- und Haushaltshilfen aus Osteuropa in deutsche Privathaushalte vermittelt.

Sie beschreibt darin eine Entwicklung, die auch uns beschäftigt: Während es früher deutlich mehr verfügbare Betreuungskräfte im Verhältnis zu den Anfragen gegeben habe, habe sich diese Situation inzwischen stark verändert. Gleichzeitig werde es schwieriger, jüngere Menschen für diese Tätigkeit zu gewinnen. 

Das Interview hat uns zum Nachdenken gebracht.

Denn dahinter steckt eine viel größere Frage:

Wer wird unsere Eltern und Großeltern in Zukunft betreuen, wenn sie nicht mehr allein leben können – aber trotzdem zu Hause bleiben möchten?

Zwischen Pflegedienst und Pflegeheim fehlt häufig etwas

Die meisten Menschen möchten so lange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung bleiben.

Doch irgendwann kann ein Punkt kommen, an dem einige Besuche eines ambulanten Pflegedienstes am Tag nicht mehr ausreichen.

Vielleicht kann ein Mensch nicht mehr allein einkaufen. Vielleicht fällt das Kochen schwer. Vielleicht besteht ein erhöhtes Sturzrisiko. Vielleicht beginnt eine Demenz. Oder Angehörige wohnen weiter entfernt und können die tägliche Unterstützung nicht dauerhaft übernehmen.

Gleichzeitig ist ein Pflegeheim nicht für jede Familie die gewünschte oder notwendige Lösung.

Genau in dieser Lücke hat sich die häusliche Betreuung etabliert.

Eine Betreuungskraft lebt für einen vereinbarten Zeitraum mit im Haushalt und unterstützt beispielsweise beim Kochen, im Haushalt, bei der Alltagsgestaltung und Begleitung und sorgt vor allem dafür, dass ein Mensch nicht den größten Teil des Tages allein ist.

Dabei ist eine wichtige Abgrenzung notwendig: Betreuungskräfte ersetzen keinen ambulanten Pflegedienst. Medizinische bzw. behandlungspflegerische Aufgaben gehören nicht einfach zum Tätigkeitsbereich einer Betreuungskraft. Auch im SPIEGEL-Interview wird zwischen der Unterstützung im Alltag und medizinischen Tätigkeiten unterschieden. 

In vielen Fällen funktioniert deshalb gerade das Zusammenspiel aus Betreuungskraft, Angehörigen und ambulantem Pflegedienst besonders gut.

Der Markt hat sich verändert

Viele Jahre basierte die häusliche Betreuung in Deutschland stark auf Betreuungskräften aus Mittel- und Osteuropa.

Doch die wirtschaftlichen Verhältnisse in diesen Ländern verändern sich.

Löhne und Beschäftigungsmöglichkeiten steigen. Wer in seinem Heimatland einen guten Arbeitsplatz findet, muss nicht zwangsläufig mehrere Wochen von der eigenen Familie getrennt in Deutschland verbringen.

Genau diese Entwicklung beschreibt auch Ehlers im SPIEGEL: Der steigende Wohlstand in den Herkunftsländern mache es zunehmend schwieriger, Betreuungskräfte für Deutschland zu gewinnen. 

Aus unserer Sicht ist das keine Entwicklung, die man beklagen sollte.

Im Gegenteil: Dass Menschen in ihren Heimatländern bessere wirtschaftliche Perspektiven haben, ist zunächst einmal etwas Positives.

Aber wir müssen uns in Deutschland ehrlich fragen, was diese Entwicklung für unsere eigene Versorgung bedeutet.

Die Lösung kann nicht immer nur das nächste Herkunftsland sein

Über Jahre konnte die Branche auf einen vergleichsweise großen Pool an Betreuungskräften zurückgreifen.

Dieses Selbstverständnis funktioniert nicht unbegrenzt.

Wenn weniger Menschen bereit sind, für mehrere Wochen oder Monate ihre Heimat zu verlassen, kann die Antwort nicht dauerhaft lauten:

Dann suchen wir eben im nächsten Land.

Die häusliche Betreuung wird sich verändern müssen.

Und dazu gehört aus unserer Sicht vor allem, stärker die Perspektive der Betreuungskräfte einzunehmen.

Warum sollte eine gute Betreuungskraft einen Einsatz in Deutschland übernehmen?

Warum sollte sie sich für eine bestimmte Familie entscheiden?

Und warum sollte sie anschließend wiederkommen?

Faire Vergütung spielt dabei selbstverständlich eine Rolle. Aber Geld allein reicht nicht.

Es geht ebenso um respektvollen Umgang, vernünftige Arbeitsbedingungen, klar definierte Aufgaben, ausreichend Erholungszeiten, ein eigenes Zimmer und Privatsphäre sowie darum, dass Erwartungen bereits vor Beginn eines Einsatzes offen besprochen werden.

Auch Familien müssen umdenken

Das ist vielleicht der unbequemere Teil der Diskussion.

In Zeiten eines zunehmenden Mangels an Betreuungskräften können nicht ausschließlich Familien auswählen – auch gute Betreuungskräfte können zunehmend auswählen, welchen Einsatz sie annehmen.

Und das verändert den Markt.

Ein Einsatz mit regelmäßigen nächtlichen Unterbrechungen, kaum Freizeit, unrealistischen Erwartungen oder einem Aufgabenbereich für mehrere Personen wird zwangsläufig schwieriger zu besetzen sein als ein gut organisierter und fair gestalteter Einsatz.

Deshalb gehört zu einer seriösen Vermittlung aus unserer Sicht auch, Familien Grenzen aufzuzeigen.

Nicht jeder Betreuungsbedarf lässt sich durch eine im Haushalt lebende Betreuungskraft abdecken.

Und nicht jede Erwartung, die an eine sogenannte „24-Stunden-Betreuung“ gestellt wird, ist realistisch.

24-Stunden-Betreuung bedeutet nicht 24 Stunden Arbeit

Der Begriff „24-Stunden-Betreuung“ hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch etabliert. Trotzdem führt er immer wieder zu einem falschen Bild.

Eine Betreuungskraft arbeitet selbstverständlich nicht 24 Stunden am Tag.

Dass jemand im Haushalt lebt und dadurch eine hohe Präsenz und Sicherheit ermöglicht, darf nicht mit permanenter Arbeitsbereitschaft gleichgesetzt werden.

Gerade bei nächtlichem Hilfebedarf muss deshalb genau hingeschaut werden.

Ein einmaliger Toilettengang in einer Nacht ist etwas anderes als ein Mensch, der jede Nacht mehrfach aufsteht, orientierungslos ist oder dauerhaft Unterstützung benötigt.

Hier muss ehrlich geprüft werden, ob das Betreuungsmodell überhaupt geeignet ist oder ob zusätzliche Unterstützung notwendig wird.

Auch das SPIEGEL-Interview greift die schwierige Frage auf, wie sich das klassische Arbeitszeitrecht mit der besonderen Situation einer im Haushalt lebenden Betreuungskraft vereinbaren lässt, und verweist auf die weiterhin bestehenden Herausforderungen für die Branche. 

Für uns steht dabei fest:

Häusliche Betreuung kann langfristig nur funktionieren, wenn sie für beide Seiten funktioniert.

Für den Menschen, der Unterstützung benötigt – und für den Menschen, der diese Unterstützung leistet.

Gute Betreuung hat ihren Preis

Auch finanziell hat sich die häusliche Betreuung in den vergangenen Jahren verändert.

Im SPIEGEL-Interview wird von deutlich gestiegenen Vergütungen gegenüber früheren Jahren berichtet. 

Auch das gehört zur Realität eines sich verändernden Arbeitsmarktes.

Wer für mehrere Wochen seine Familie und sein gewohntes Umfeld verlässt, in einem fremden Haushalt lebt und dort Verantwortung übernimmt, erwartet zu Recht eine angemessene Vergütung.

Deshalb glauben wir nicht, dass die Zukunft der häuslichen Betreuung darin liegen kann, sie möglichst billig anzubieten.

Die entscheidende Frage lautet vielmehr:

Wie schaffen wir ein Modell, das für Betreuungskräfte attraktiv und gleichzeitig für Familien finanzierbar bleibt?

Und spätestens an diesem Punkt kommen wir zu einem Problem, das die Branche allein nicht lösen kann.

Häusliche Betreuung braucht mehr politische Aufmerksamkeit

Deutschland verfolgt seit Jahren den Grundsatz „ambulant vor stationär“.

Gleichzeitig wünschen sich viele Menschen ausdrücklich, ihren Lebensabend im eigenen Zuhause verbringen zu können.

Doch wenn eine Familie eine umfassendere Betreuung zu Hause organisieren möchte, muss sie einen erheblichen Teil der Kosten selbst tragen.

Auch das wird im SPIEGEL-Interview kritisch thematisiert. Ehlers fordert, finanzielle Mittel stärker dorthin zu lenken, wo Menschen tatsächlich leben möchten – häufig also in das eigene Zuhause. 

Über die konkrete Ausgestaltung kann und muss man diskutieren.

Den grundsätzlichen Gedanken halten wir jedoch für wichtig:

Wenn die Politik möchte, dass Menschen möglichst lange zu Hause leben können, muss sie auch darüber sprechen, wie häusliche Betreuung dauerhaft finanziert werden kann.

Es reicht nicht, „ambulant vor stationär“ als Ziel zu formulieren und die praktische Organisation anschließend weitgehend den Familien zu überlassen.

Wer kommt nach der heutigen Generation?

Eine weitere Frage aus dem SPIEGEL-Interview halten wir für besonders wichtig: Woher kommen die Betreuungskräfte der nächsten Generation?

Viele Menschen, die diese Tätigkeit seit Jahren ausüben, werden selbst älter. Gleichzeitig entscheiden sich jüngere Menschen in den bisherigen Herkunftsländern häufiger für andere Berufs- und Lebensmodelle. 

Deutschland wird deshalb neue Antworten brauchen.

Dazu können neue Herkunftsländer gehören. Ebenso wichtig werden aus unserer Sicht aber Sprachförderung, Qualifizierung, bessere Rahmenbedingungen und seriöse Zugangswege zum deutschen Arbeitsmarkt.

Andere europäische Länder konkurrieren ebenfalls um Arbeitskräfte. Im SPIEGEL-Interview wird deshalb auch die Frage aufgeworfen, ob Deutschland bei Ausbildung, Sprache und Zugang zum Arbeitsmarkt flexibler werden muss. 

Wir sollten nicht davon ausgehen, dass Menschen dauerhaft automatisch zu uns kommen.

Wir müssen Bedingungen schaffen, unter denen sie gerne kommen.

Auch wir als Vermittlungsagentur tragen Verantwortung

Bei all diesen Diskussionen wäre es zu einfach, nur auf Politik, Familien oder Betreuungskräfte zu zeigen.

Auch Vermittlungsagenturen tragen Verantwortung.

Unsere Aufgabe besteht nicht allein darin, möglichst schnell eine verfügbare Betreuungskraft zu finden.

Unsere Aufgabe ist es auch, zu prüfen, ob Erwartungen und Realität zusammenpassen.

Familien brauchen eine ehrliche Einschätzung dessen, was häusliche Betreuung leisten kann – und was nicht.

Betreuungskräfte brauchen verlässliche Informationen darüber, was sie vor Ort erwartet.

Und wenn ein Einsatz unter den gegebenen Bedingungen nicht verantwortungsvoll durchführbar ist, muss eine seriöse Vermittlung auch den Mut haben, das auszusprechen.

Denn eine Vermittlung ist nicht dann erfolgreich, wenn eine Betreuungskraft möglichst schnell anreist.

Sie ist dann erfolgreich, wenn Betreuung langfristig funktioniert.

Wir müssen heute darüber sprechen, wie wir morgen gepflegt werden wollen

Die häusliche Betreuung steht aus unserer Sicht an einem Wendepunkt.

Der Bedarf wird nicht verschwinden.

Im Gegenteil.

Gleichzeitig verändert sich der europäische Arbeitsmarkt, Betreuungskräfte haben mehr Alternativen und die Generation, die dieses Modell über viele Jahre getragen hat, wird älter.

Das zwingt uns zum Umdenken.

Wir brauchen faire Arbeitsbedingungen und angemessene Vergütungen. Wir brauchen realistische Erwartungen aufseiten der Familien. Wir brauchen klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Und wir brauchen eine politische Diskussion darüber, welchen Stellenwert häusliche Betreuung künftig innerhalb unseres Pflegesystems haben soll.

Vor allem sollten wir aufhören, erst dann über diese Fragen zu sprechen, wenn die eigene Mutter oder der eigene Vater plötzlich nicht mehr allein zurechtkommt.

Denn dann wird aus einer abstrakten Diskussion über Pflege sehr schnell eine ganz persönliche Frage:

Wie möchten wir selbst einmal leben, wenn wir Hilfe benötigen?

Für viele Menschen lautet die Antwort darauf noch immer:

Zu Hause.

Dann sollten wir heute anfangen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass dieser Wunsch auch morgen noch realistisch ist.


Anlass & Lesetipp

Anlass für diesen Beitrag war das Interview mit Alesja Ehlers „Wer zu Hause pflegt, wird dafür bestraft, dass er den menschlicheren Weg geht“, erschienen am 30. Juli 2026 in DER SPIEGEL, Ausgabe 32/2026. 

Interview bei DER SPIEGEL lesen

Hinweis: Der vollständige SPIEGEL-Artikel kann abhängig vom jeweiligen Zugang nur für Abonnentinnen und Abonnenten verfügbar sein.


09.08.2026

VITA Fonfara GmbH
Zuhause leben, liebevoll betreut.

Schnellkontakt